Im April kamen überwiegend junge Genoss:innen im Info- und Kulturladen anlässlich eines Vortrages des antifaschistisch-demokratischen Vereins „Unentdecktes Land“ zusammen. Leitfrage war: Welches Deutschland ging 1990 verloren? Wir freuen uns sehr über die Möglichkeit, das Vortragsskript des Referenten veröffentlichen zu dürfen und wollen anstelle eines Berichts über den diskussionsreichen Abend ein paar Stichpunkte zum Thema Geschichte der Arbeiter:innenbewegung und der DDR im Spezifischen bringen:
1. Wir können uns aus der Geschichte nicht einzelne Seiten nach Belieben herauspicken
Es geht dabei um die Frage der historischen Analyse und der Rückschlüsse, die wir für die Ausrichtung unserer Bewegung heute ziehen. Es ist in der deutschen Linken verbreitet, sich einen historischen oder aktuellen Schauplatz intensiver Klassenkämpfe herauszusuchen. Der Zweck liegt nicht nur als propagandistischen Veranschaulichung „Wie sieht eine Revolution aus?“. Sondern dient nicht selten auch als romantisierte Projektionsfläche, da man selber im Zirkelwesen feststeckt und keinen Massenanhang hat. Egal ob es um die KPdSU, die KPD der 20er, KP China, die Stadtguerilla, Westasien oder auch die DDR geht, dieses Phänomen ist feststellbar. Wir sind der Ansicht: Der Prüfstein für die kommunistische Haltung eines kommunistischen Menschen liegt nicht immer in der Anerkennung dieser oder jenen Erfolgs/Niederlage unserer weltweiten Bewegung. Sondern, ob wir die jeweiligen Herausforderungen begreifen und die richtigen Rückschlüsse für die Gegenwart ziehen. Mit der Veranstaltung wollten und haben wir einen ungeschönten Blick auf die Probleme der DDR und seine Errungenschaften geworfen.
2. Die DDR ist mehr als nur eine verstaubte Projektionsfläche
Die Ausgangsbedingungen der DDR waren so ungünstig, wie sie nur sein konnten: Beinahe alle Deutschen haben die Verbrechen des NS-Faschismus aktiv unterstützt, daran mitgewirkt oder zumindest geschehen lassen. Vor diesem Hintergrund kann man die Errungenschaften der DDR gar nicht hoch genug hängen. Gleichzeitig aber ist auch klar: Es gibt auch berechtigte Kritik an der DDR, z.B. wie es zur Selbstaufgabe 1990 kommen konnte und man den ersten sozialistischen Versuch in Deutschland einfach herschenken konnte? Noch wichtiger: Es ist geradezu beschämend, wie viele (der übrig gebliebenen) westdeutschen Linken den „blöden Ossis“ 1990 und lange Jahre danach erklären wollten, was eigentlich Freiheit und Sozialismus sind.
Das uns skizzierte Sozialsystem der DDR erschien uns angesichts des Kalten Krieges als „krass gut, fast schon ein bisschen unwirklich“, da wir heute die systematische Zerstörung des BRD-Sozialstaats live mit erleben. Gleichzeitig blieben viele spannende und strategisch wichtige Themen offen oder auch nur am Rande erwähnt. Der Auftrag muss daher lauten, eine möglichst kontinuierliche Bildungsarbeit auf die Beine zu stellen. Das macht uns Lust auf eine weitere Veranstaltung!
Das Gesamte Referat gibt es hier zum Download:
Lernt die Arbeit des Vereins „Unentdecktes Land“ selbst kennen: https://www.unentdecktes-land.org/
